Die Bocholter Brauereien ab den 1860er Jahren

 

1. Hirschbrauerei Franz Tangerding in Bocholt-Stenern

Mit Slogans wie "Bleib' Deiner Heimat treu und trinke Hirsch-Bräu" bewarb sich die wohl bekannteste Bocholter Brauerei: Tangerding in Stenern. Nach dem Ersten Weltkrieg war sie durch den Niedergang von Langenhoff und Deipenbrock (sowie Hagedorn in Rhede) die einzig verbliebene Bocholter Brauerei und galt als die größte Brauerei des westlichen Münsterlandes mit den Absatzgebieten Bocholt, Rhede, Borken, Isselburg und Emmerich. Tangerding produzierte generell Pils-, Export-, Alt- und Malz-Bier sowie später auch die "fruli"-Fruchtlimonade. Auf dem in Privatbesitz befindlichen Gute Tangerding befindet sich noch heute die verfallene Ruine der einstigen Dampfbierbrauerei. Noch heute finden sich bei Grabungsarbeiten oder der Gartenarbeit manches Mal alte Bierflaschen der Brauerei, die sich über die verschiedenen Prägungen datieren lassen.

 

2. Bergbrauerei Bernard Langenhoff in Lankern und Bocholt

In den 1880er Jahren kam der gebürtige Dingden-Nordbrocker Braumeister Bernard Langenhoff aus Rhede nach Bocholt, um als Braumeister bei Ellering in der Ravardistraße zu arbeiten. Als sich die Gelegenheit auftat, eine stillgelegte Brauerei im nahen Lankern zu übernehmen, baute er diese zur "Bergbrauerei Lankern bei Dingden - Bernard Langenhoff Bocholt" aus, wie die Prägung seiner Bierflaschen verrät. Langenhoff selbst betrieb die Brauerei mit Gartenwirtschaft zwar in Lankern, doch der eigentliche Sitz des Unternehmens befand sich in der Bocholter Nordstraße 10, wo Langenhoff seine bekannte Restauration betrieb. Später übernahm sein Sohn Heinrich (links auf einem Foto aus dem Jahre 1942) Brauerei und Restauration. In den Wirren des Ersten Weltkrieges  wurde der Braubetrieb eingestellt und Heinrich Langenhoff beschränkte sich fortan bis in die 1950er Jahre auf seine Restauration, die nach seinem Tode u.a. als Tanzlokale unter verschiedenen Namen fortgeführt wurde. Von der einstigen Brauerei existieren in Lankern heute neben der alten prächtige Allee einige Nebengebäude, während die Gewölbekeller nach mehreren Einstürzen vor einigen Jahren zugeschüttet wurden.

 

3. Brauerei Jos. Deipenbrock in der Ravardistraße

1887/88 übernahm der aus Ramsdorf stammende Joseph Deipenbrock die Stelle des Braumeisters Bernard Langenhoff bei der Wwe. Ellering in der Ravardistraße 26 und führte die Restauration mit Brauerei fortan unter seinem Namen fort. Als mit dem Tode seines Sohnes im Ersten Weltkrieg kein Nachfolger mehr zur Verfügung stand, wurde der Betrieb eingestellt. Deipenbrock braute wie hier auf einer Ansichtskarte zu erkennen vor allem Alt-Bier und produzierte in deutlich kleinerem Rahmen als Tangerding und Langenhoff, weshalb auch Bierflaschen der Brauerei heute deutlich seltener bei Erdarbeiten zu Tage treten.

 

4. "Waldschlößchen" in Bocholt-Biemenhorst

Das heute noch existierende und als "Waldschlößchen" liebevoll bezeichnete Gebäude-Ensemble in Bocholt-Biemenhorst war in den 1860er Jahren als Brauerei erbaut, doch nur wenige Jahre als solche benutzt worden, weshalb über die Zeit als Brauerei relativ wenige Quellen erhalten geblieben sind.

Am Erwerb von weiteren Bierflaschen und -krügen, Bierdeckeln und -gläsern sowie Fotografien bin ich sehr interessiert. Bitte schreiben Sie mir doch einfach eine Email über das Kontakt-Formular, falls Sie entsprechende Artikeln anzubieten haben. Vielen Dank.

Aktuelles

15.09.16:

VORTRAG

Von Arbeiterhosen und Wehrmachtsuniformen - Die Bocholter Bekleidungsindustrie 1921-1945

Um 18.30h im Medienzentrum Bocholt (historischer Bahnhof), Hindenburgstr. 5, Bocholt

 

 

21.01.16:

BUCH-PRÄSENTATION "Geschichte des Bocholter Stadtwaldlagers" im Ratssaal des Rathauses, Berliner Platz 1, Bocholt